Neuroimmunologische Lehren aus einem Ringelwurm: der medizinische Blutegel
Neuro-immune lessons from an annelid: The medicinal leech
Übersichtsarbeit in der Zeitschrift Dev Comp Immunol (2016)
Abstract
An important question that remains unanswered is how the vertebrate neuroimmune system can be both friend and foe to the damaged nervous tissue. Some of the difficulty in obtaining responses in mammals probably lies in the conflation in the central nervous system (CNS), of the innate and adaptive immune responses, which makes the vertebrate neuroimmune response quite complex and difficult to dissect. An alternative strategy for understanding the relation between neural immunity and neural repair is to study an animal devoid of adaptive immunity and whose CNS is well described and regeneration competent. The medicinal leech offers such opportunity. If the nerve cord of this annelid is crushed or partially cut, axons grow across the lesion and conduction of signals through the damaged region is restored within a few days, even when the nerve cord is removed from the animal and maintained in culture. When the mammalian spinal cord is injured, regeneration of normal connections is more or less successful and implies multiple events that still remain difficult to resolve. Interestingly, the regenerative process of the leech lesioned nerve cord is even more successful under septic than under sterile conditions suggesting that a controlled initiation of an infectious response may be a critical event for the regeneration of normal CNS functions in the leech. Here are reviewed and discussed data explaining how the leech nerve cord sensu stricto (i.e. excluding microglia and infiltrated blood cells) recognizes and responds to microbes and mechanical damages.
Abstract aus PubMed (NCBI) für den zitierten Eintrag, in der Originalsprache wiedergegeben. Maßgeblich ist die Fassung der Originalpublikation.
Das Abstract wird nicht übersetzt, damit die eigene Wortwahl der Autoren erhalten bleibt.
Zusammenfassung
Die Übersichtsarbeit begründet, warum der medizinische Blutegel als Modell dient, um neuronale Immunität und Regeneration zu erforschen: Er besitzt kein adaptives Immunsystem, sein Nervensystem ist gut beschrieben und regenerationsfähig. Nach Quetschung oder teilweiser Durchtrennung des Nervenstrangs wachsen Axone über die Läsion, und die Signalleitung ist innerhalb weniger Tage wiederhergestellt, auch in Kultur. Unter septischen Bedingungen gelingt die Regeneration sogar besser als unter sterilen. Diskutiert wird, wie der Nervenstrang im engeren Sinn Mikroben und mechanische Schäden erkennt und darauf reagiert.
Kontext
Dieser Übersichtsartikel untersucht den medizinischen Blutegel als Modellorganismus zur Erforschung von Neuro-Immun-Interaktionen und hebt hervor, dass das Nervenstrang-System des Egels nach Quetsch- oder Teilschnitt-Verletzungen regenerieren kann, wobei die Regeneration unter septischen Bedingungen sogar verstärkt wird. Es wird erörtert, wie das ZNS des Egels Mikroben und mechanische Schäden erkennt und auf sie reagiert, und bietet damit ein einfacheres System als das Säuger-ZNS, um die Beziehungen zwischen angeborener Immunität und neuraler Reparatur zu entschlüsseln. Der Übersichtsartikel positioniert den medizinischen Blutegel als wissenschaftlich wertvollen Organismus, dessen Biologie der angeborenen Immunität und Regeneration indirekt das Verständnis von Hirudotherapie-Kontexten informieren könnte. Es handelt sich um einen Übersichtsartikel mit Fokus auf vergleichende Neurobiologie und angeborene Immunität und behandelt weder Blutegeltherapie, Speichelkomponenten noch klinische Anwendungen.
Zitation
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