Die biologische Funktion von Hementin im Rüssel des Blutegels Haementeria ghilianii
The biological function of hementin in the proboscis of the leech Haementeria ghilianii
Physiologische Untersuchung in der Zeitschrift Blood Coagul Fibrinolysis (1991)
Abstract
The giant Amazon leech Haementeria ghilianii feeds by inserting an exceedingly long tubular proboscis (up to 10 cm) deep into its mammalian host. The wound from its bite is not associated with prolonged bleeding because all antihaemostatic factors, including the fibrinogenolytic enzyme hementin, appear to be secreted exclusively into the lumen of the proboscis. It is in this narrow lumen that blood first comes into contact with hementin, the secretion of which is under neuronal control from the brain. During feeding, about 15 ml of blood are sucked through the proboscis at the rate of approximately 0.14 ml/min. A complete passage of blood takes less than 1 min, much faster than the approximately 6 min needed for coagulation (fibrin formation). Therefore, it is unlikely that hementin functions in the proboscis simply to prevent fibrin formation. Of greater risk is platelet aggregation which can occur within 1-2 min. The formation of a platelet-rich clot within the proboscis could make the proboscis non-functional. Hementin's unique ability to dissolve platelet-rich clots offers a way of restoring blood flow through the proboscis. Hementin is able to disaggregate platelets by breaking the fibrinogen crosslink between platelets. Hementin's unique cleavage site in the connector region of platelet-bound fibrinogen is thought to be a most effective mechanism for eliminating the crosslinking.
Abstract aus PubMed (NCBI) für den zitierten Eintrag, in der Originalsprache wiedergegeben. Maßgeblich ist die Fassung der Originalpublikation.
Das Abstract wird nicht übersetzt, damit die eigene Wortwahl der Autoren erhalten bleibt.
Zusammenfassung
Der riesige Amazonas-Blutegel Haementeria ghilianii saugt mit seinem bis zu 10 cm langen Rüssel etwa 15 ml Blut mit rund 0,14 ml/min; die Passage dauert weniger als 1 min und damit deutlich kürzer als die etwa 6 min bis zur Fibrinbildung. Dass Hementin im Rüssel bloß die Fibrinbildung verhindert, halten die Autoren daher für unwahrscheinlich. Hementin könne vielmehr durch Spaltung der Fibrinogenbrücken zwischen Thrombozyten plättchenreiche Gerinnsel lösen und so den Blutfluss im Rüssel wiederherstellen.
Warum dies für die Hirudotherapie relevant ist
Diese Studie untersucht die biologische Funktion von Hementin im Proboscis von Haementeria ghilianii während der Nahrungsaufnahme und stellt fest, dass das Enzym unter neuronaler Kontrolle ausschließlich in das Lumen des Proboscis sezerniert wird, wo Blut zuerst mit ihm in Kontakt kommt. Das Abstract berichtet, dass Blut den Proboscis in unter einer Minute passiert – schneller als die etwa sechs Minuten, die für die Fibrinbildung benötigt werden – was darauf hindeutet, dass die primäre Rolle von Hementin nicht in der Gerinnungshemmung liegt, sondern vielmehr in der Auflösung plättchenreicher Thromben durch Spaltung von Fibrinogen-Quervernetzungen zwischen Plättchen, um die Durchgängigkeit des Proboscis während der Nahrungsaufnahme aufrechtzuerhalten. Die Studie betrifft die Ernährungsphysiologie einer Nicht-Hirudo-Spezies.
Verwandte Verbindungen im ASH-Register
Aus dem Blutegel stammende Moleküle und aus Hirudin abgeleitete Arzneimittel, die zum Thema dieser Arbeit gehören, jeweils mit vollständigem Profil im ASH-Verbindungsregister:
Zitation
Literaturangabe (Vancouver-Stil)
Sawyer RT, Jones CP, Munro R. The biological function of hementin in the proboscis of the leech Haementeria ghilianii. Blood Coagul Fibrinolysis. 1991;2(1):153-159. doi:10.1097/00001721-199102000-00023. PMID: 1772983
Die bibliografischen Angaben (Autoren, Band, Seiten, DOI) stammen aus dem PubMed-Eintrag.
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