Aeromonas-hydrophila-Infektionen nach Anwendung medizinischer Blutegel in der Replantations- und Lappenchirurgie
Aeromonas hydrophila infections following use of medicinal leeches in replantation and flap surgery
Fallserie mit Literaturübersicht in der Zeitschrift Annals of plastic surgery (1992)
Abstract
Aeromonas hydrophila infections are a recognized complication of postoperative leech application, and can occur with measurable frequency in populations of patients treated with leeches. We review 11 previously reported leech-related Aeromonas infections and analyze seven unreported cases. These infections range from minor wound complications to extensive tissue loss and sepsis. Often, these infections followed leech application to tissue with questionable arterial perfusion. Onset of clinical infection in these patients ranged from within 24 hours of leech application to 10 days or more after leech application. Late infections may represent bacterial invasion from colonized necrotic tissue. Based on these observations, we recommend that leech applications be restricted to tissue with arterial perfusion to minimize contamination of necrotic tissue. We also recommend that patients treated with leeches receive antibiotics effective against Aeromonas hydrophila before leech application. Patients treated with leeches and discharged with eschars or open wounds might benefit from oral antibiotic therapy until wound closure. These precautions may minimize or eliminate this complication of leech use.
Abstract aus PubMed (NCBI) für den zitierten Eintrag, in der Originalsprache wiedergegeben. Maßgeblich ist die Fassung der Originalpublikation.
Das Abstract wird nicht übersetzt, damit die eigene Wortwahl der Autoren erhalten bleibt.
Zusammenfassung
Analysiert werden 11 publizierte und 7 bisher unveröffentlichte Aeromonas-hydrophila-Infektionen nach postoperativer Blutegelanwendung. Sie reichten von leichten Wundkomplikationen bis zu ausgedehntem Gewebeverlust und Sepsis, oft nach Anwendung auf fraglich arteriell perfundiertem Gewebe. Der Beginn reichte von den ersten 24 Stunden bis zu 10 Tagen oder mehr. Die Autoren empfehlen, Blutegel nur auf arteriell perfundiertem Gewebe anzuwenden und vorab gegen Aeromonas hydrophila wirksame Antibiotika zu geben; bei Entlassung mit Schorf oder offenen Wunden könnte eine orale Antibiotikatherapie bis zum Wundverschluss nützen.
Warum dies für die Hirudotherapie relevant ist
Diese Arbeit bespricht 11 zuvor berichtete und 7 neue Fälle einer Aeromonas-hydrophila-Infektion nach Anwendung medizinischer Blutegel bei Replantations- und Lappenchirurgie und beschreibt Komplikationen, die von geringfügigen Wundproblemen bis zu ausgedehntem Gewebeverlust und Sepsis reichen, mit einem Beginn zwischen weniger als 24 Stunden und 10 oder mehr Tagen; zudem wird angemerkt, dass Infektionen häufig auf die Anwendung von Blutegeln an Gewebe mit fraglicher arterieller Durchblutung folgten. Sie ist für die Hirudotherapie hochrelevant, da Aeromonas der Darmsymbiont ist, der eine Infektion zum wichtigsten anerkannten Risiko der Blutegeltherapie macht, und die Empfehlungen der Autoren — Blutegel auf Gewebe mit arterieller Durchblutung zu beschränken und vor der Anwendung eine gegen Aeromonas wirksame Antibiotikaprophylaxe zu geben — bleiben zentral für moderne Sicherheitsprotokolle der Blutegeltherapie. Der Vorbehalt ist, dass es sich um eine zusammengefasste Fallübersicht und nicht um eine kontrollierte Studie handelt; sie belegt die Gefahr somit robust und begründet die Prophylaxe, quantifiziert aber für sich genommen weder die Infektionsraten unter heutiger Praxis noch belegt sie die Wirksamkeit eines bestimmten Antibiotikaregimes.
Zitation
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