Avulsion der Ohrmuschel bei einem antikoagulierten Patienten: Ist die Blutegeltherapie kontraindiziert? Übersicht und Fallbericht
Avulsion of the auricle in an anticoagulated patient: is leeching contraindicated? A review and a case
Fallbericht und Übersichtsarbeit in der Zeitschrift Craniomaxillofacial Trauma & Reconstruction (2011)
Abstract
Amputation of the auricle is a periodic occurrence leading to disfigurement if not treated properly. Venous stasis is a common complication in reattachments and requires decongestant and anticoagulant treatment. Today, leech therapy is the treatment of choice. Common problems are that it is not available everywhere and that it is usually contraindicated in anticoagulated patients. The peculiarities of leech therapy and the various aspects of surgical management are reviewed. A case of a partial amputation of the auricle in a patient under concomitant anticoagulation therapy with warfarin is presented. The amputated part was reattached in another hospital without microvascular anastomosis. The patient presented to our department with early signs of venous congestion. Leech therapy was started 35 hours after trauma, and the patient continued his anticoagulation therapy. With this treatment, 90% of the amputated part was rescued. The anticoagulation therapy of the patient may have played an important role in the first hours after reattachment, preventing capillary thrombosis and in consequence facilitating the minimal oxygenation necessary. The claim that anticoagulation therapy is a contraindication to leeching should be questioned in cases of reattachments in well-controllable locations without arterial anastomosis.
Abstract aus PubMed (NCBI) für den zitierten Eintrag, in der Originalsprache wiedergegeben. Maßgeblich ist die Fassung der Originalpublikation.
Das Abstract wird nicht übersetzt, damit die eigene Wortwahl der Autoren erhalten bleibt.
Zusammenfassung
Vorgestellt wird ein Patient unter Warfarin-Antikoagulation mit teilweiser Ohrmuschelamputation, deren Replantation in einem anderen Krankenhaus ohne mikrovaskuläre Anastomose erfolgte. Bei Frühanzeichen venöser Stauung begann die Blutegeltherapie 35 h nach dem Trauma; die Antikoagulation wurde fortgeführt, und 90 % des amputierten Anteils wurden gerettet. Die Antikoagulation habe möglicherweise früh kapilläre Thrombosen verhindert und so die nötige minimale Oxygenierung ermöglicht. Laut den Autoren ist die Behauptung, Antikoagulation kontraindiziere Blutegel, bei Replantationen an gut kontrollierbaren Stellen ohne arterielle Anastomose zu hinterfragen.
Warum dies für die Hirudotherapie relevant ist
Dieser Artikel beleuchtet die Besonderheiten der Blutegeltherapie bei Ohr-Replantation und präsentiert einen Fall einer partiellen Ohramputation bei einem Patienten unter laufender Warfarin-Antikoagulation, der eine frühe venöse Stauung entwickelte. Die Blutegeltherapie wurde 35 Stunden nach dem Trauma eingeleitet, während die Antikoagulation fortgesetzt wurde, und 90 % des amputierten Teils wurden gerettet. Die Autoren argumentieren, dass die Antikoagulationstherapie möglicherweise zur Prävention kapillärer Thrombosen beigetragen haben könnte und nicht automatisch als absolute Kontraindikation gegen das Anlegen von Blutegeln an gut kontrollierbaren Lokalisationen ohne arterielle Anastomose betrachtet werden sollte. Allerdings handelt es sich um einen einzelnen Fallbericht, ergänzt durch einen narrativen Review, sodass keine belastbaren Schlussfolgerungen zur Sicherheit oder Generalisierbarkeit gezogen werden können; die Autoren selbst stellen die Standard-Kontraindikation in Frage, anstatt sie definitiv zu widerlegen.
Zitation
Literaturangabe (Vancouver-Stil)
Mommsen J, Rodríguez-Fernández J, Mateos-Micas M, Vázquez-Bouso O, Gumbao-Grau V, Forteza-Gonzalez G. Avulsion of the auricle in an anticoagulated patient: is leeching contraindicated? A review and a case. Craniomaxillofac Trauma Reconstr. 2011;4(2):61-68. doi:10.1055/s-0031-1279668. PMID: 22655116
Die bibliografischen Angaben (Autoren, Band, Seiten, DOI) stammen aus dem PubMed-Eintrag.
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