Amerikanische Gesellschaft für Hirudotherapie

Pflegeprotokolle

Pflegespezifische Beurteilung, Überwachung und Dokumentation für die Blutegeltherapie

Zuletzt aktualisiert: May 27, 2026Geprüft von: Andrei Dokukin, MDStufe 1 — FDA-zugelassener Anwendungskontext
FDA-aligned clinical protocolsTraining & operational reference

Praxis-Kontext

Registrierte Krankenschwestern sind die primären Anwender medizinischer Blutegel in Krankenhäusern. Alle pflegerischen Maßnahmen erfolgen auf Arztanordnung.

Pflegekräfte spielen eine zentrale Rolle in der Hirudotherapie — von der Patientenbeurteilung vor dem Eingriff bis zur Nachsorge nach der Entlassung. Diese Protokolle bieten pflegespezifische Anleitungen für eine sichere und wirksame Umsetzung der Blutegeltherapie.

Beurteilung vor dem Eingriff

Checkliste zur Patientenbeurteilung

  • Arztanordnungen überprüfen (Anzahl der Blutegel, Anwendungsstellen, Häufigkeit)
  • Unterzeichnete informierte Einwilligung in der Krankenakte bestätigen
  • Basis-Laborwerte überprüfen: Blutbild, PT/INR, aPTT, Typ und Screening
  • Begonnene Antibiotikaprophylaxe überprüfen (ciprofloxacin oder TMP-SMX)
  • Allergieanamnese überprüfen: Antibiotika, Latex, frühere Blutegel-Reaktionen
  • Aktuelle Medikamente beurteilen: Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer, NSAIDs
  • Basis-Vitalwerte erheben (BD, HF, O2-Sättigung, Temperatur)
  • Bei chirurgischen Patienten: Gewebefarbe, kapilläre Rückfüllung, Doppler-Signal beurteilen

Kontraindikations-Screening

Absolut:

  • Arterielle Insuffizienz an der Anwendungsstelle
  • Hämophilie oder hämorrhagische Diathese
  • Schwere Anämie (Hgb <8 g/dL ohne Transfusion)
  • Aktive Sepsis
  • Dekompensierte hepatobiliäre Erkrankung

Relativ:

  • Schwangerschaft, Immunsuppression
  • Antikoagulanzientherapie (mit dem Chirurgen koordinieren)
  • Thrombozyten <50.000/µL
  • INR >3,0

Anwendungsprotokoll

Schritt-für-Schritt-Anwendung

  1. Umgebung vorbereiten: Hinweis "Keine Duftstoffe" anbringen. Raumtemperatur 72-77°F sicherstellen. Patienten bequem positionieren.
  2. PSA anlegen: Nitrilhandschuhe (obligatorisch), Schutzkittel bei Spritzgefahr, Augenschutz bei Kopf-/Halsanwendungen.
  3. Stelle vorbereiten: Nur mit warmem Wasser reinigen — kein Alkohol, Betadin, Chlorhexidin oder duftende Seifen.
  4. Blutegel auswählen: Aktiv, beweglich, starker Kontraktionsreflex, glatter Körper, 6-10 cm ausgestreckt.
  5. Anwenden: Blutegel in kleinen, sauberen Behälter überführen. Über die vorbereitete Stelle umstülpen. Sobald die Nahrungsaufnahme beginnt, locker mit Gaze abdecken.
  6. Alternative (Spritzenführung): Kolben aus 5-10 mL-Spritze entfernen. Blutegel in den Zylinder geben. Spitze auf die Haut am genauen Ziel drücken.
  7. Wenn Blutegel verweigert: Warme, chemikalienfreie Haut sicherstellen. Mit steriler Nadel für Bluttröpfchen einstechen. Anderen Blutegel versuchen.

Patienten NIEMALS mit angesetzten Blutegeln unbeaufsichtigt lassen. Einen nahrungsaufnehmenden Blutegel NIEMALS gewaltsam entfernen.

Überwachungsparameter

ParameterHäufigkeitHandlungsschwelle
VitalwerteAlle 30 MinutenSBD <90 oder HF >120: auf Hypovolämie prüfen
GewebebeurteilungAlle 30 MinutenFarbe, Turgor, kapilläre Rückfüllung, Doppler dokumentieren
HämatokritAlle 4-8 StundenHgb <7: transfundieren. Hgb 7-8: klinisches Urteil
Blutegel-NahrungsaufnahmestatusKontinuierlichAnhaftungszeit, Dauer, Ablösung dokumentieren
Blutung nach AblösungAlle 1-2 Stunden x 6 StundenSiehe Protokoll für übermäßige Blutung
Schmerz (NRS 0-10)Alle 2 Stunden>5: Paracetamol; NSAIDs vermeiden

Versorgung nach Ablösung

Wundverband

  1. Saubere, trockene Gaze (4x4) über Biss auflegen — kein Druck
  2. Zusätzliche saugfähige Auflagen aufschichten
  3. Mit Klebeband oder leichtem Verband sichern — keine Kompression
  4. Bei Sättigung Schichten obendrauf hinzufügen — darunterliegenden Verband 24 Stunden lang NICHT entfernen
  5. Saugfähige Unterlagen unter den Behandlungsbereich legen

Erwartet: Sickern 4-24 Stunden. Anhaltendes Sickern ist erwartet und therapeutisch.

Blutegel-Entsorgung

  1. Abgelösten Blutegel in 70% Ethylalkohol legen
  2. Tod bestätigen (keine Bewegung für 5 Min.)
  3. In roten Biogefährdungs-Abfallbehälter überführen
  4. Gemäß OSHA-Standards versiegeln und beschriften

Einen Blutegel NIEMALS wiederverwenden. Einen gefütterten Blutegel NIEMALS in die Lagerung zurückbringen.

Dokumentationsanforderungen

Pflegedokumentation pro Sitzung

Während der Sitzung:

  • Datum, Uhrzeit und Dauer der Sitzung
  • Anzahl der angesetzten Blutegel
  • Anatomische Lokalisation(en)
  • Dauer der Anhaftung jedes Blutegels
  • Blutung nach Ablösung: Dauer, geschätztes Volumen
  • Vitalwerte vor und nach

Beurteilungsnotizen:

  • Gewebebeurteilung (chirurgisch): Farbe, kapilläre Rückfüllung, Doppler, Temp
  • Patientenverträglichkeit und unerwünschte Reaktionen
  • Blutegel-Entsorgung bestätigt (biogefährdender Abfall)
  • Antibiotikaprophylaxe gemäß Anordnung verabreicht
  • Schmerzbewertungs-Scores
  • Patienten-/Familienaufklärung erteilt

Komplikationserkennung

Infektionsanzeichen (Arzt benachrichtigen)

  • Sich ausdehnendes Erythem unverhältnismäßig zur erwarteten Entzündung
  • Eitriger Ausfluss aus der Bisswunde
  • Verstärkte Wärme, Druckschmerz, Induration
  • Fieber, Leukozytose, erhöhtes CRP
  • Veränderung der Gewebefarbe, Turgorverlust
  • Wachsamkeit für 26 Tage nach der letzten Anwendung aufrechterhalten

Notfallsituationen

  • Anaphylaxie: Epinephrin i.m., Notfallreaktion auslösen
  • Blutegel-Migration: In Mund/Nase/Ohr — sofortige Bergung, Atemweg beurteilen
  • Übermäßige Blutung: Druck, Silbernitrat, topisches Thrombin, Naht bei Refraktärität
  • Vasovagale Synkope: Trendelenburg-Lage, Vitalwerte überwachen

Verwandte Ressourcen

Diese Website stellt Bildungsinformationen bereit und ist weder eine medizinische Beratung noch eine Diagnose oder Behandlungsempfehlung. Die medizinische Blutegeltherapie ist mit klinisch relevanten Risiken verbunden und sollte ausschließlich von qualifizierten Klinikerinnen und Klinikern unter institutionell genehmigten Protokollen durchgeführt werden. Die FDA-510(k)-Zulassung für medizinische Blutegel ist auf bestimmte Indikationen beschränkt; experimentelle und Off-Label-Diskussionen werden entsprechend gekennzeichnet. Für patientenspezifische Beratung wenden Sie sich an eine qualifizierte Gesundheitsfachkraft.